TAGBLATT.CH – Betroffene reisten umsonst an – Der Nationalrat sollte gestern eigentlich mit einem Gesetzesentwurf anerkennen, dass administrativ Versorgten Unrecht widerfahren ist. Doch das Geschäft ist vertagt – für Betroffene ein herber Schlag. Textausschnitte: Eine, die die Schwierigkeiten als Betroffene erlebt hat, ist Ursula Biondi. Sie ist enttäuscht über den Entscheid: «Wir administrativ Versorgte wurden unser ganzes Leben lang herumgeschoben. Da haben sich wohl einige Leute in Bundesbern gedacht: Was soll's, verschieben wir das Geschäft doch einfach noch einmal!», sagt Biondi. «Wollen die Menschen mit der Rehabilitierung warten, bis alle Betroffenen tot sind?»
Keine finanziellen Ansprüche Für Biondi ist es ein Hohn, dass im Gesetzesentwurf finanzielle Ansprüche für die Betroffenen ausgeschlossen werden: «Unser Verein <Rehabilitation der administrativ Versorgten> kämpft für eine Rentenerhöhung, für einen Mietzinszuschuss und für einen Steuererlass für Betroffene.» Trotzdem, sagt Biondi, sei das Gesetz ein «erster Schritt in die richtige Richtung». Zudem arbeite ja nicht nur das Parlament, sondern auch der runde Tisch für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen an einer Lösung (Ausgabe vom 16. November). «Der runde Tisch hat sich für einen finanziellen Notfallfonds ausgesprochen, für welchen es keine gesetzliche Grundlage braucht», sagt Biondi. Momentan liefen die Beratungen dazu.