TAGESANZEIGER.CH – Das Unrecht ist noch nah: Bis vor wenigen Jahren sperrte der Staat Unschuldige ein. Nun muss er sie entschädigen und die Lehren daraus ziehen. Es waren einige mutige Pioniere, denen wir die Aufarbeitung der Geschichte verdanken. Leute wie die Zeitzeugin Ursula Müller-Biondi (seit anfangs 2000) oder der Unternehmer Guido Fluri (seit 2013), die an die Öffentlichkeit gingen und dafür kämpften, dass das bis in die Achtzigerjahre praktizierte Weg­sperren Unschuldiger aufgearbeitet wird und die Opfer entschädigt werden. 

BLICK.CH – Verdingkinder und administrativ Versorgte: Erst 2010 fanden sie Gehör – Erst 2010 kam die Aufarbeitung ins Rollen. Textausschnitte: Die Opfer der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen kämpften lange für eine Aufarbeitung. Erst 2010 fanden sie Gehör: Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf entschuldigte sich im Namen des Bundes zuerst einmal bei den administrativ Versorgten. Drei Jahre später bat Simonetta Sommaruga die ehemaligen Verdingkindern um Verzeihung. – Die Aktivistin Ursula Biondi (69) ist eine von ihnen. Sie wurde als 17-Jährige selbst unschuldig für ein Jahr ins Frauengefängnis Hindelbank eingewiesen. Weil sie unverheiratet schwanger geworden war. Später brachte sie das Gesetz zur Rehabilitierung der Opfer mit auf den Weg.

THELOCAL.CH: child abuse – Locked up for being different: The scandal of Switzerland's 'undesirables'. 
A pregnant teenage runaway, a former foster care child, an adolescent boy raped by priests: for decades, these were the kinds of people Switzerland locked up as "undesirables"… Free labour – The centres were also used as a source of unpaid labour.  Daniel Cevey, 76, told AFP he spent his childhood in foster care, and was later placed in administrative detention. He never found out why. He was forced to do farm work like picking potatoes. "We were never paid," he said. "All those years, we went to the fields instead of going to school." Many of those detained were sucked into the system at a young age. Ursula Biondi had a rough childhood with a violent father, she told AFP. Then, aged just 15, she was repeatedly raped by the father of the family where she worked as a nanny. When she was 17, she fell in love and the couple ran away to Italy. But after she became pregnant, she was forced back to Switzerland and in 1966 was detained for a year at a women's prison in the central town of Hindelbank. 

TIMESOFMALTA.COM – The scandal of Switzerland's 'undesirables' – Over 80 years, Switzerland locked up 60,000 'deviant undesirables'. Selected Text: There was no trial, no appeal and officials running the "administrative detention" centres decided when people should be released. Many suffered physical and sexual abuse and some were even sterilized. Some 60,000 people considered "deviant" by the Swiss authorities were locked up over the course of the 20th century. The practice peaked in Switzerland in the 1930s but was still legal as late as 1981… Former detainees each received compensation of 25,000 Swiss francs (€22,000). For many this is far too little. A lot of former detainees live living in poverty: as well as the trauma they suffered, their detention robbed them of a proper education or training, making it harder to find work. "For those still living in precarity, this is a slap in the face," Biondi said of compensation. And those responsible "have never faced any legal consequences", lamented Cevey. "It is a scandal that is continuing."

L'OBS  Société: Les internés de force, une "page sombre" de l'histoire suisse – Après des décennies de silence, Mme Biondi, qui aura 70 ans cette année, se bat depuis près de 20 ans pour que les autorités s'occupent des victimes dont elle est devenue une des porte-voix. 

gulfnews.com – Is Switzerland's legacy trapped in detention centres? – Victims recall being forced into these 'homes' without a trial or appeal." It is a dark chapter, a chapter that cannot be justified," said Markus Notter, president of a commission of experts - the CIE - appointed by the government in 2014 to investigate the scandal…The commission's findings show how hundreds of detention centres around the country used arbitrary powers as an instrument of social control, to enforce social norms…The experience "traumatised me for life,"said Biondi, now 69. For decades she was silent about her ordeals, but then she started campaigning - and for the past 20 years she has been fighting to get justice for victims of the system. And she can celebrate several victories. In 2010, the justice ministry presented an official state apology to former detainees. In 2014, parliament acknowledged for the first time that those detained had done nothing wrong and had suffered an injustice. 

Vortrag: Höhere Fachschule für Sozialpädagogik Curaviva hsl Luzern – Gastreferentin Dr. h.c. Ursula Biondi – Zeitzeugin - Administrative Versorgung und fürsorgerische Zwangsmassnahmen

Gespräch: «Unsere Seelen sind ein Minenfeld.»
Mit Verminte Seelen widmet sich das Schauspiel dem Thema Administrative Versorgung. Anja Horst (Dramaturgie) im Gespräch mit Ursula Biondi ehem. Präsidentin Verein RAVIA (Rehabilitierung administrativ Versorgter bis 1981): "Zum Theaterstück «Verminte Seelen» – Sie haben in diesem Zusammenhang von «Seelenminen» gesprochen und damit die Inspiration für unseren Stücktitel gegeben. Was haben Sie damit gemeint?" Antwort von Ursula Biondi auf S. 9+10 im TERZETT Mai 2019
Bereits im Vortrag vor dem Städte Verband am 28. April 2014, referierte Dr. h.c. Ursula Biondi vertieft über «Seelenminen».
Theaterautorin E-Mail-Anfrage

RTS.CH – Mise au Point:Les filles volages derrière les barreaux : 60‘000 internés administratifs en Suisse, c’est le chiffre révélé par une étude historique publiée lundi. Parmi ces innocents privés de liberté, des femmes à qui on reprochait simplement d’être trop faciles. La pratique n’a cessé qu’en 1981. Mise au point a retrouvé certaines de ces détenues. 

WOZ.CH – Licht ins Dunkel – «Unsere Seelen sind ein Minenfeld», sagt Ursula Biondi, die mit siebzehn Jahren einst im Gefängnis landete, weil sie schwanger war. «Administrative Versorgung» hiess das im Behördensprech, ein Wort, mit dem brutale amtliche Willkür bürokratisch kaschiert wurde. Wer einen «falschen» Lebenswandel pflegte, konnte bis 1981 ohne richterlichen Beschluss interniert werden: in Heimen, Strafanstalten oder in der Psychiatrie. Das Theater St. Gallen will nun das Schicksal von Betroffenen «exemplarisch und hautnah» auf die Bühne bringen, für den Titel des Projekts hat Biondi das Stichwort geliefert: «Verminte Seelen» heisst das Stück über dieses dunkle Kapitel Schweizer Sozialgeschichte, Regie führt Barbara-David Brüesch. 

BLICK.CH – Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf kämpft für die Opfer – «Wer in Hindelbank war, hatte keine Chance mehr im Leben» – Eveline Widmer-Schlumpf bat als Erste im Namen des Bundes die Opfer um Entschuldigung. Vor neun Jahren stand sie in Hindelbank öffentlich hin und entschuldigte sich für die Taten der Schweiz… Lange blieb dieser Teil im Dunkeln. Seit wann wissen Sie davon? In den 90er-Jahren war ich Mitglied einer Amtsvormundschaft. Dort kam ich erstmals mit dem Thema Verdingkinder in Kontakt. Schon damals beschäftigte mich dieses Thema. Zu der Zeit erfuhr ich, dass bis ins Jahr 1981 immer wieder schwer Erziehbare und Jugendliche, denen Liederlichkeit und Arbeitsscheue vorgeworfen wurde, in Strafanstalten gebracht wurden. Intensiv mit dem Thema beschäftigt habe ich mich ab 2008 nach Berichten im «Beobachter» sowie der Biografie von Ursula Biondi, einer Betroffenen. Aber eigentlich hätte ich schon viel früher davon erfahren sollen. – Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) machte im September 2010 den ersten Schritt zur Wiedergutmachung und entschuldigte sich für das Leid an staatlich versorgten und entmündigten Personen. Vor ihr sträubten sich Bundes- und Kantonsregierungen lange dagegen.

BLICK.CHAdministrative Versorgung – jetzt gibt es Opferzahlen – Bis spät ins letzte Jahrhundert hinein sperrte der Staat unschuldige junge Menschen weg. Jetzt weiss man: Es waren Zehntausende! Genugtuung für Betroffene – Für die Aktivistin Ursula Biondi (69), die als 17-Jährige selbst unschuldig für ein Jahr ins Frauengefängnis Hindelbank eingewiesen wurde, ist die Aufarbeitung eine Genugtuung. «Jetzt kann niemand mehr leugnen, dass der Staat im grossen Stil aus Zigtausenden von jungen Menschen seelische Krüppel machte.» Biondis einziges «Vergehen»: Sie wurde schwanger, ohne verheiratet zu sein. Das war damals eine Schande. Mit ihrem langjährigen Kampf trug sie später dazu bei, dass 2014 das Bundesgesetz zur Rehabilitierung entstand.

Amnesty International Schweiz – Über Grundrechte reden – Diskussionen im World Café und bei einer praktischen Übung – Die regen Diskussionen in zwei Runden und in verschiedenen personellen Zusammensetzungen zeigten: Es ist wichtig, Grundrechtsverletzungen von früher und von heute bekannt zu machen. Personen, die von Berufs wegen an besonders exponierten Stellen tätig sind, sollten besonders geschult werden. Zugleich sind alle angesprochen, Zivilcourage zu zeigen und sich kritisch zu äussern, sei das im Alltag oder bei politischen Prozessen. Die Gesprächsteilnehmenden identifizierten in der Gegenwart wehrlose Personen oder Menschen, die keine Kraft oder Möglichkeiten haben, sich Gehör zu verschaffen, als besonders gefährdet dafür, dass ihre Grundrechte verletzt werden. Deshalb halten sie – insbesondere aber die von administrativen Versorgungen betroffenen Personen – die Aufklärungs- und Bildungsarbeit für so wichtig. Zum Abschluss waren die Teilnehmenden dazu angehalten, in einer praktischen Übung unter Leitung von Benjamin Veress von Amnesty International Schweiz über Ungleichheiten in der Gesellschaft zu reflektieren und sich der Verantwortung von Schulen, NGOs und Einzelpersonen bewusst zu werden, Fragen aufzuwerfen. 

Vortrag: UEK – «Die administrative Versorgung von Frauen»
Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch (25.04.2019): «Frauen lebten in den Anstalten lange unter prekären Verhältnissen»
Bericht in der Wochenzeitung

SRF Schweizer Film «LINA»: Im Kino Rätia in Thusis.  Die UEK zeigte den Spielfilm «Lina», der Elemente einer wahren Lebensgeschichte aufnimmt und am Beispiel einer jungen Frau aufzeigt, was eine administrative Versorgung für sie bedeutet. UEK-Mitglied Thomas Huonker debattierte anschliessend mit dem Publikum. In seiner Einführung zum Film wies Thomas Huonker darauf hin, dass die Lebensgeschichte von Ursula Biondi dem Film als Modell diente. Als Ursula Biondi mit 17 Jahren schwanger war, wurde sie zur «Nacherziehung» in die Strafanstalt Hindelbank versorgt. Dort fristeten administrativ eingewiesene Frauen zusammen mit gerichtlich verurteilten Straftäterinnen ihren Alltag. Ursula Biondis Mutter musste den Aufenthalt im Gefängnis bezahlen. Als man die junge Frau zwingen wollte, ihr Kind zur Adoption freizugeben, wehrte sich Ursula Biondi vehement und konnte sich diesem Los widersetzen.